Verstrahlte Grüne ins Abklingbecken

Bei Grüns hat das Großreinemachen nach der Bundestagswahl begonnen. Die Partei soll „personell und inhaltlich erneuert“, aus der Ecke der „Verbotspartei“ geführt werden. Wenn es nach den Spätzle-Grünen geht, wird die bürgerliche Mitte umgarnt.  Ist etwa der Einzug ins bundesdeutsche Parteiennirwana à la FDP geglückt? Wurde man einer real-existierenden Regierungsmehrheit verlustig?  Oder von allen guten Geistern verlassen?

Die Spätzle-Grünen machen Ihre Drohung vom 18. September jetzt war. Foto: gruenebw.de
Die Spätzle-Grünen machen ihre Drohung vom 18. September jetzt war. Foto: gruenebw.de

Umfrage-Höhenflüge wie nach Fukushima und Stuttgart21 mögen ja gut fürs Ego sein. Aber sie sind kein Maßstab einer Stimmabgabe bei einer Bundestagswahl (das schreiben sogar die Meinungsforscher im Kleingedruckten). Das scheint die GrünInnen nicht zu stören. Überhaupt ignoriert man professionell einige Binsen:

Gab es eine Wechselstimmung im Lande wie 1998 (nicht weniger benötigen deutsche Oppositionsparteien, um direkt an die Regierung zu gelangen)? Darauf deuteten die guten Bewertungen der amtierenden Kanzlerin nicht unbedingt hin. Gab es einen potentiellen Koalitionspartner, mit dem Regierungsmacht erlangt werden kann? Schwierig, da die Sozialdemokraten noch immer nicht wissen, ob sie alles anders oder nur einiges besser machen wollen (wahrscheinlich letzteres mit der CDU). Hatten die Grünen einen (oder viele) Spitzenleute, die man in einem auf Kanzlerkandidaten und deren Handarbeit zugespitzten Wahlkrampf präsidial und liebreizend vorführt? Rhetorische Frage.

Irgendwie glauben offenbar nicht wenige Grüne, man könne tatsächlich „nachhaltig“ mindestens so viele Stimmen holen, wie Stimmungen hier und da hergeben. Und die bekomme man von der vermeintlich großen, bürgerlichen Wohlstandsmitte, die für den Porsche Cayenne (oder das elektromobile Zweitauto) vor dem Bio-Supermarkt keinen Parkplatz findet. Und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf mit einem Au-Pair-Mädchen meistert (weil dann auch noch gleich geputzt ist).

Um die bürgerliche Mitte (was auch immer das in dieser fragmentierten Gesellschaft sein soll) zu gewinnen, reicht es nicht, als Grüner Landwirtschaftsminister Loden aufzutragen, als Landesvater vor Daimler den Hofknicks zu üben oder als Wissenschaftsministerin von Studiengebühren für den Nachwuchs der eigenen Akademikerklientel zu träumen. Dafür benötigt man Merkels schwarzen Probierteller mit roter und grüner Sättingsbeilage. Wer auf so etwas Appetit hat, sollte dann doch lieber den Weg von Oswald Metzger  gehen (der amüsanterweise bei der CDU immer noch nicht weiß, was er wird). Ach egal, Hauptsache man wird „bürgerlicher“, der Joerges und die Meute haben einen lieb und man erzählt nur noch die halbe andere Wahrheit. Und erhöht später vernünftigerweise doch die Steuern für die oberen 10 Prozent (Gruß von Schäuble).

Die Grünen haben ein paar Prozentpunkte, aber keine Richtungswahl verloren. Das war eine Abstimmung über die alte Regierungsmehrheit, nicht mehr und nicht weniger.

Das Ergebnis:
*Merkels absolutistisches Allerlei finden viele gut.
*Die FDP wechselt in die außerparlamentarische Hotellerie.
*Der Brocken der Sozis liegt immer noch im Hartz (und wer hat sonst die Kraft).
*Die (rechten und linken) Linken wundern sich: Hey! Wir sind die einzige Burgfriedenpartei.
*Und die Grünen haben eine solide Stammwählerbasis, dem Rest sind sie gerade nicht sooo wichtig.

Diese Missachtung tut weh. Deswegen ist jetzt Tabula rasa im Einmachglas. Als wären Grüns aus dem Bundestag geflogen, als habe es einen Realo realen, tiefen Absturz gegeben. Bei so viel Hybris und/oder politischem ADHS kann man nur sagen: Verstrahlte Wahlkrampf-Grüne ins Abklingbecken und erst wieder zum Neujahrsempfang in die Phrasenproduktion.

PS: Die größte Häme am Wahlabend ernteten die Grünen bei der CDU. Auf gute Zusammenarbeit.


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