#Streetart: Was macht #Barbara da?

yoda

–> Hier mein jüngstes Interview mit „Barbara“ vom 18. April 2015 zu ihrer Buchveröffentlichung <– 

Seit Wochen sorgen in Heidelberg schwarze Plakate mit Slogans in weißer Schrift oder umgestaltete Schilder für Verwirrung – und für so manches Schmunzeln. Eine oder ein Unbekannter, der sich als „Barbara“ ausgibt, betreibt hier eine Kunst, die unter dem Label Streetart firmiert. Mal wird aus dem „Kaufland“-Schild eine „Hanfland“-Werbung oder aus einem „Durchfahrt verboten“-Schild schaut die Star-Wars-Figur Yoda und verkündet: „An Liebe vorbei kein Weg geht“. Bei Facebook verfolgen mittlerweile über 19.000 Leute die Arbeit von „Barbara“ in Heidelberg. Wer ist das, der als „Barbara“ den öffentlichen Raum umgestaltet? Wir haben versucht, zu ihm oder ihr Kontakt aufzunehmen. Weil der Künstler anonym bleiben will, kam es nur zu einem Facebook-Chat-Interview, in dem der Mensch hinter der Kunst erklärt, warum er oder sie das tut – und warum er/sie sich mit Heidelberg „arrangiert“ hat.

Sind Sie alleine „Barbara“ oder sind „Barbara“ mehrere Personen?

Ich bin Barbara. Wenn mehrere Leute beteiligt wären, würde ich sagen: „Wir sind Barbara.“

Sind Sie eine Frau?

Ich bin ein Mensch mit dem Namen Barbara.

Warum wollen Sie anonym bleiben? Haben Sie Angst vor Strafanzeigen wegen Sachbeschädigung?

Ich möchte, dass meine Arbeit für sich spricht, möchte mit meinen Ideen überzeugen. Anonymität bedeutet für mich die völlige künstlerische Freiheit ohne Rücksicht auf Geschlecht, Freunde, Familie. Da ich immer darauf achte, keine Sachen zu beschädigen, habe ich auch keine Angst vor Anzeigen.

Also weiß Ihr persönliches Umfeld nicht, was sie da so machen?

Genau so ist es.

Seit wann sind Sie in Heidelberg aktiv?

Ich bin Anfang dieses Jahres nach Heidelberg gezogen.

AusfahrtfreiheitWie kamen Sie zur Streetart?

Als ich noch sehr klein war, hat mir mein Opa erklärt, was die Hakenkreuze bedeuten, die ich immer wieder an Mauern gesprüht gesehen habe. Dann fing ich an, die zu übermalen oder umzuändern. Seither habe ich ständig Aktionen im öffentlichen Raum gemacht. Die Änderung der Vorgehensweise liegt jetzt eigentlich darin, dass ich meinen Namen dazuschreibe und Fotos im Internet veröffentliche.

Hakenkreuze zu „bearbeiten“ ist eine Sache – was wollen Sie mit Ihrer Kunst heute erreichen?

Nicht mehr oder weniger wie alle anderen Künstler auch: Ich freue mich darüber, wenn Menschen sich mit meinen Gedanken, Ideen und Überlegungen auseinandersetzten.

Warum sind es gerade Schilder, die die Vorlage „liefern“?

Der öffentliche Raum ist voll mit Botschaften. Hauptsächlich Werbung und Verbote. Ich erlaube mir, darauf zu reagieren und damit zu spielen.

Ich finde Ihre Werke mal zum Schmunzeln, mal hintergründig. Sie äußern sich aber auch zu konkreten Themen, etwa Kirche, Hanf oder AfD: Wie politisch muss oder soll Ihre Kunst sein?

Sie muss nichts, aber sie darf alles. Wenn mich ein Thema beschäftigt, dann gehe ich darauf ein.

Welche Reaktionen bekommen Sie auf Ihre Arbeit?

Auf der Straße bekomme ich so gut wie kein Feedback. Das ist auch der Grund, warum ich mich entschieden habe, meine Arbeiten im Internet zu veröffentlichen. Das Feedback dort ist überwältigend. Viele Menschen schreiben mir, wie viel ihnen meine Aktionen bedeuten, dass es Farbe in ihren Alltag bringt oder sie zum Nachdenken anregt. Bei schwierigen Themen wie Religion oder Politik finden oftmals sehr kontroverse Diskussionen zu meinen Bildern statt. Für mich ist das alles sehr wertvoll und es treibt mich zusätzlich an, weiter zu machen.

klaus

Gäbe es „Barbara“ und ihre Kunst auch ohne Facebook?

Natürlich. Facebook ist für mich nicht mehr und nicht weniger als der am besten geeignete Kanal, um Menschen im Internet zu erreichen.

Wurden Sie in Aktion schon einmal erwischt?

Nein, zumindest nicht von der Polizei. Aber bestimmt von der einen oder anderen Überwachungskamera. Auch die NSA kennt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit meine Identität.

Ich habe bei meinen Facebook-Freunden gefragt, was sie von Ihnen wissen wollen. Hier die erste Frage: Wie lange hängen eigentlich ihre Kunstwerke?

Manche hängen nur wenige Stunden, manche ein paar Tage oder Wochen.

Wie gehen Sie damit um, wenn sie mehr oder weniger rasch wieder weg sind?

Das ist bei Kunst im öffentlichen Raum völlig normal. Es reicht ein Passant oder eine Passantin, dem/der es nicht passt und der/die es entfernt.

Burschen und Barbara

Andere Frage: Wie lange haben Sie für die akrobatische Übung gebraucht, das Bild der Burschenschaft zu bepinkeln?

Das möchte ich gerne ihrer Fantasie überlassen.

Schade. Wir hatten sehr gelacht. Sie schreiben in Ihrer Facebook-Selbstdarstellung, dass Sie Berlin vermissen. Warum?

Ich liebe Berlin, die Berliner und die Vielfalt, die diese Stadt in jeder Hinsicht bietet. Vor allem in Sachen Kreativität.

Sind Sie Berliner/in?

Ich bin zumindest dort aufgewachsen. Home is where my Laptop is.

Und warum müssen Sie sich mit Heidelberg „arrangieren“? So schlimm?

Überhaupt nicht schlimm, Heidelberg ist wunderbar. Es ist eben ein beschauliches Städtchen und der Grundpegel der Menschen ist im Allgemeinen sehr viel konservativer, ordentlicher und sauberer als der in Berlin. Das war erstmal eine Umstellung, aber ich genieße jetzt meine Zeit hier.

Allerletzte Frage: Wie lange wird es Ihre Kunst und dann auch noch in Heidelberg geben?

Wie lange ich noch in Heidelberg bin, kann ich im Moment noch nicht absehen. Aber mich und meine Kunst wird es geben, bis ich eines Tages sterbe. Ich hoffe, dass mir bis dahin noch viel Zeit bleibt.

HD Berlin

erschienen auf www.rnz.de am 7. Mai 2014