Lügen im Netz: Entspannt Euch!

Von Götz Münstermann

Haben Sie das von der Weihnachtsfeier mitbekommen? Wie der eine Kollege mit der anderen Kollegin verschwunden ist? Und was vergangene Woche beim Metzger über den Bürgermeister und diese „Gärtner“ aus dem Bauhof erzählt wurde? Und wissen Sie, dass der neue Nachbar in der Dachgeschosswohnung seinen Müll nicht trennt und die Hausgemeinschaft jetzt die Aufpasser der Müllabfuhr an den Hacken hat?

Das sind drei Gerüchte. Manche davon sind verletzendes Geschwätz, manche davon sind bösartige Lügen. Selten ist etwas Wahres dran – außer, dass es die Menschen, um die es geht, wirklich gibt. Aber haben die das auch wirklich gesagt oder getan?

Was also macht der einigermaßen vernünftige Mensch mit solchen Gerüchten? Er versucht herauszufinden, ob das stimmt und die Behauptung den Fakten standhalten kann. Wenn das nicht möglich ist, sollte man das Ganze einfach nicht weiterverbreiten und das Klima in der Firma, im Ort oder in der Nachbarschaft nicht vergiften. Außer man will genau das.

Unglücklicherweise gibt es diese Gerüchteküchen, seit der Homo sapiens in Gemeinschaften auftritt; mit der rasant steigenden Nutzung des Internets eben auch dort. Direkt vor der eigenen Haustür oder im World Wide Web entscheidet jeder für sich, ob er Gerüchte weiterverbreitet. Was können Sie und ich also tun?

> Hinterfragen Sie, woher eine Information stammt. Wer hat sie geschrieben? Handelt es sich um eine seriöse Quelle? Ist Ihnen diese schon einmal begegnet?

> Wo steht das noch? Es gibt Informationen, die auf Fakten basieren. Und wenn dies der Fall ist, dann gibt es immer mindestens eines unter den vielen Nachrichtenmedien im Land, das dann darüber berichtet. Gerüchte, weil ohne Fakten und nur mit Behauptungen bestückt, werden selten von seriösen Medien aufgegriffen. Dafür aber von dubiosen Seiten massenhaft verbreitet, die damit Geld verdienen wollen oder eine politische Zielsetzung verfolgen.

> Ist das nicht unglaublich, unfassbar, eine Sensation? Wenn Ihnen eine Meldung bei Facebook oder wo auch immer komisch vorkommt, dann vielleicht, weil sie so wenig mit unserem Lebensalltag zu tun hat. Weil sie irgendwie überdreht ist. Sollte es sich tatsächlich um Fakten handeln, findet sich eine seriöse Quelle. Denn nichts mögen professionelle Medien mehr, als dass ein Mann einen Hund beißt. Dass der Hund den Mann beißt, ist eher gewöhnlich.

> Wem nutzt diese Meldung? Wie in der Firma, im Ort oder der Nachbarschaft haben Gerüchte und Lügen auch im Netz oft einen Zweck: Jemanden bloßzustellen, in Verruf zu bringen. Und auch wenn man keine Sympathie für den Betroffenen hegt: Gerüchte richten Schaden an und kommen vielleicht per Strafanzeige zum Absender zurück. Im besten Falle erklärt Ihnen ihr Nachbar, dass er durchaus richtig Müll trennt. Aber wenn dem Bürgermeister Korruption unterstellt wird, wird er sich wehren. Im Web wird das jetzt mehr und mehr auch der Fall sein.

> Aber am meisten hilft Ihnen und mir: Drei Mal tief durchatmen, bevor sie eine Information an Freunde und Bekannte per Facebook oder WhatsApp schicken. Wenn Sie und ich uns überlegen, was wir weiterverbreiten, dann werden wir vielleicht auf eine Satiremeldung des „Postillion“ hereinfallen. Aber keine Gerüchte wie ein Virus verbreiten.

> Keine Panik: Lügen im Netz können wir mit Gelassenheit begegnen. Das meiste, was wir lesen, ist interessant, belanglos, unterhaltsam oder informativ. Nur ein Bruchteil sind Geschwätz, Gerüchte und Falschnachrichten.

Wenn vom bösen Internet, Fake-News und Hetztiraden geredet wird, dann müssen auch Sie und ich uns an die eigene Nase fassen. Wer das nicht tun will, der ist entweder selten bis nie in diesem Internet unterwegs. Oder aber er hat ein Interesse daran, das Klima zu vergiften.

Ein Tipp zum Nachschauen: Fakenews entlarvt www.mimikama.at

erschienen auf www.rnz.de am 28. Januar 2017


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