Kommentar: Unter Druck

Die evangelische Kirche hat wichtige öffentliche Aufgaben in Heidelberg übernommen: in Kindergärten, Jugend- oder Seniorenzentren. Die Kirche wollte und will es so – sie sieht das als Auftrag und Mission. Dann hat sie auch dafür zu sorgen, dass die Stadt und die Betroffenen langfristig Planungssicherheit haben.

Es geht nicht, auf dem Rücken der Betroffenen – beispielsweise von Eltern und Kindern – die Stadt unter Druck zu setzen, um einen Kindergarten oder eine andere soziale Einrichtung „zu retten“. Die evangelische Kirche weiß, dass sie in Heidelberg stark und beispielsweise im Kindergartensektor unersetzlich ist. Diese Machtposition sollte sie verantwortungsvoll nutzen.

Auf der anderen Seite stehen Stadtverwaltung und Gemeinderat, denen es immer Recht war und ist, dass ein „freier Träger“ beispielsweise Kindergärten und -krippen betreibt. So muss die Kommune nicht selbst Personal anstellen, Gebäude anmieten oder umbauen. Heidelberg nutzte die Umstände zum Auslagern öffentlicher Aufgaben. Wenn die Kirche jetzt in einer finanziell prekären Situation ist, dann sollte sie deshalb mit Unterstützung rechnen dürfen. Aber den ganzen Karren muss sie selbst aus dem Dreck herausziehen.

RNZ vom 20. Januar 2010