Kommentar: Stadt im Fluss

Von Götz Münstermann
Die Kehrtwende in der Konferenzzentrums-Frage und die Gemeinderatssitzung vom Donnerstag offenbaren: Auch unter dem neuen Stadtoberhaupt Eckart Würzner bleibt Heidelberg eben Heidelberg. Investoren werden unsanft mit den Grenzen des Machbaren konfrontiert.

Der mögliche Investor für die GGH-Wohnungen im Emmertsgrund darf einmal mehr eine Geduldsprobe bestehen. Den Teilnehmern an der europaweiten Ausschreibung für ein Konferenzzentrum am Hauptbahnhof hat man gleich die Tür gewiesen. Sie nehmen mit: Wenn man es der Mehrheit in Heidelberg Recht machen will, dann muss das nicht immer richtig sein. Denn diese Mehrheit ändert sich immer wieder, revidiert Beschlossenes oder reiht Entscheidung an Entscheidung ohne Umsetzung.

Ohne Not hätten die Stadträte und der OB am Donnerstag sagen können: Wir prüfen den Standort Stadthalle, halten uns aber die Hintertür Hauptbahnhof offen. Stattdessen beschließt man – ganz machtpolitisch – eine Option zu
beerdigen, dabei hat man noch keine überprüfbare Alternative. Und wenn sich die Mehrheit im Gemeinderat
nach der Wahl 2009 ändert? Oder einzelne Räte ihre Meinung überdenken?
Es gibt in Heidelberg keine sicheren Mehrheiten, diese Stadt ist im Fluss –und sie treibt dahin.