Kommentar: Neustart jetzt

Die studentischen Besetzer und das Rektorat der Universität sind gescheitert – weil sie von falschen Grundannahmen ausgingen. Rektor Eitel glaubte, dass die Besetzer nur eine Inszenierung für die Medien liefern wollten. Dass die Besetzer seine Exzellenzuni nur als Kulisse für den Protest nutzten, der eigentlich die Landes- und Bundesbildungspolitiker treffen sollte. Diese Grundannahme war falsch. Der harte Kern des Heidelberger Studentenprotests wollte ganz pragmatisch Verbesserungen in der eigenen Uni durchsetzen, verabschiedete sich von unrealistischen Forderungen aus dem Wolkenkuckucksheim. Die Mehr zahl der Besetzer forderte von ihrer Ruperto Carola, sich mit dem Machbaren auseinanderzusetzen.

Und da wären wir bei zweiten falschen Grundannahme: Die Besetzer glaubten, dass sie sich mit ihrem Rechtsbruch Gehör verschaffen würden. Dass die Hochschulleitung bereit wäre, unter diesen Voraussetzungen mit ihnen zu sprechen und inneruniversitäre Reformen auszuhandeln. Doch das Unirektorat zog sich auf seine rechtliche Position zurück. Wer sich als Hausherr definiert, kann nicht gegen die Hausordnung verstoßen. Zudem empfanden das Rektorat und die Mitarbeiter im Gebäude die Besetzung als Gewaltanwendung, waren persönlich getroffen. Verständlicherweise. Und dann kann man keine nachhaltigen Zugeständnisse machen, ohne das Gefühl eines Gesichtsverlustes zu haben.

Diejenigen, die an der Ruperto Carola die Fäden in der Hand haben, täten jetzt gut daran, mit allen Studenten, auch den Besetzern, einen Neuanfang zu starten: der Hochschulrat mit seiner Aufsichtspflicht, das Rektorat und der Senat. Und die protestierenden Studenten sollten sich im Klarensein: Sie haben mehr erreicht als alle Studentenproteste der letzten 15 Jahre. Viel mehr Menschen haben Verständnis für ihren Protest, als dies in der Vergangenheit der Fall war.

RNZ vom 22. Juni 2009