Das Konferenzzentrum am Bahnhof ist tot

Gemeinderat stoppt Auswahlverfahren und fordert Machbarkeitsstudie für Ausbau der Stadthalle

Von Götz Münstermann
„Gehe zurück auf Los – ziehe nicht 4000 Euro ein.“ Im Heidelberger Konferenzzentrum-Monopoly hat eine neue Ereigniskarte den Spielverlauf auf den Kopf gestellt. Nach jahrelangen Prüfungen, Gutachten und vier Ausschreibungen wurden am Donnerstagabend nicht die Bewerber für den Standort Hauptbahnhof ausgewählt – so war es im vertraulichen Teil der Sitzung vorgesehen. Vielmehr beschlossen die „kleinen“ Fraktionen mit dem Oberbürgermeister gegen den Willen der SPD und der meisten CDU-Räte: „Das Ausschreibungsverfahren für
den Standort Hauptbahnhof/Kurfürstenanlage wird beendet.“ Stattdessen wird eine Machbarkeitsuntersuchung für
den Standort Stadthalle in Auftrag gegeben. Der SPD-Antrag, nur der Hauptbahnhof käme in Frage, wurde abgeschmettert.

Die SPD stand geschlossen und die CDU weitestgehend hinter der bisherigen Linie, ein großes Konferenzzentrum samt Hotel beim Bahnhof zu errichten. CDU-Fraktionschef Jan Gradel befand: „Ich habe die Entscheidung für mich schon fünfmal getroffen“, eine weitere Machbarkeitsstudie benötige er nicht. SPD-Rat Karl Emer sagte, er sei gerne bereit dazuzulernen, „aber sonst heißt es immer, der Gemeinderat würde nur diskutieren, aber nicht entscheiden“. Doch GAL-Grüne, Freie Wähler, die „Heidelberger“ und die FDP stimmten mit OB Eckart Würzner. „Heidelberger“ Wolfgang Lachenauer erklärte, die Konzeption sehe eine jährliche Subvention für ein Konferenzzentrum am Hauptbahnhof von 1,3 Millionen Euro vor, die Stadthalle mache im Jahr auch eine Million Euro Defizit. „Das sind dann zwei Verlustbringer“, so Lachenauer. Laut FDP-Fraktionschefin Annette Trabold müssten die Zeiten, in denen man Mannheim nacheifert, eigentlich vorbei sein. In Zeiten der Metropolregion könne man sich mit dem Rosengarten ergänzen. Und GAL-Grüne Fraktionschefin Judith Marggraf hielt der großen Konferenzzentrumskoalition entgegen, dass sie lieber ein „kleines und feines“ Konferenzzentrum wolle, nicht einen Klotz, den man auch „in Buxtehude“ finde.

Aber so richtigwohlwar den GAL-Grünen bei dem Gedanken mit der Stadthalle auch nicht, es gibt ja Proteste der Anwohner. Sie setzten durch, dass auch die Verkehrs- und klimatischen Auswirkungen eines Stadthallenausbaus
untersucht werden. Und wie ein Abriss von Wohnhäusern das „soziale Gefüge in der Altstadt“ verändern würde. Bei der Bürgerinitiative „Biest“, die den Stadthallenausbau verhindern will, sieht man jetzt „die Chance für ein attraktives Kongresszentrum am Bahnhof vertan“. „Biest“-Sprecherin Sabine Erpf rechnet nicht mit einer einvernehmlichen Lösung in absehbarer Zeit: „Zu unterschiedlich sind die Zielsetzungen der Parteien, und nächstes Jahr sind Neuwahlen, spätestens dann fängt die Diskussion wieder von Neuem an.“

Man wird sehen, welche Ereigniskarten beim Konferenzzentrum-Monopoly noch gespielt werden.