Bürgerentscheid rettet Würzner

Stellen Sie sich mal vor, der Bürgerentscheid über bzw. gegen die Erweiterung der Heidelberger Stadthalle Ende Juli hätte nicht das rechtlich verbindliche Quorum erreicht. Ein paar hundert Nein-Stimmen zu wenig, so um die 25.000, und es hätte alles anders kommen können.

Oberbürgermeister Eckart Würzner und die Mehrheit der Heidelberger Stadträte hätten die Erweiterung im Gemeinderat durchgewunken. CDU, FDP, Freie Wähler, „Die Heidelberger“, Generation.HD und die Bündnis-Grünen hatten ja so vehement für den Ausbau geworben.

Die Stimmung in der Stadt war bis zum Bürgerentscheid schon aufgeheizt genug. Aber wenn die unterlegenden Ja-Sager bei einem solchen Ausgang ihren Willen durchgesetzt hätten, dann wären das unschöne Wochen, Monate, vielleicht gar Jahre geworden – vor allem für das Stadtoberhaupt. Denn Würzner hätte den erwartbaren Sturm der Entrüstung und des Widerstandes als Projektionsfläche am ehesten ausbaden müssen.

Man mag es zwar nicht glauben, aber eigentlich ist es so: Die Niederlage beim Bürgerentscheid ist Würzners Rettung. Ihm bleibt erspart, seinen Plan gegen den ausdrücklich artikulierten Willen einer sehr großen Zahl Heidelberger durchsetzen zu müssen. Ihm bleibt erspart, dass er das bis zum kommenden OB-Wahlkampf in vier Jahren vorgehalten bekommt. Und ihm bleibt erspart, dass er ein nachgebessertes Finanzpaket für seinen Stadthallen-Ausbau-Tiefgaragenbuddel-Plan wenige Monate nach dessen Verabschiedung der Öffentlichkeit hätte präsentieren müssen. Dass er mit den 26 Millionen Euro hingekommen wäre, das haben ihm am Ende nicht mal mehr seine Freunde abgenommen.

Also: Bitte keine Niedergeschlagenheit im Rathaus, Erleichterung auf allen Seiten ist angebracht.