Quelle: https://plus.google.com/photos/+klinkerlieschenDeHD/albums/6139374391963868849

Barcamp Rhein-Neckar 2015 : Innen-Ansichten und -einsichten

Julia hat es in ihrem Blogpost schön formuliert: Es ist zwar nett, dass es da eine Truppe gab, die das erste Barcamp Rhein-Neckar am 18. April 2015 organisiert hat. Dass wir (offenbar bis auf eine Ausnahme) abends nach diesem Piloten euphorisiert nach Hause gingen, lag aber letztendlich an den Teilnehmern. Und die Erkenntnis des Tages (oder war es Sonntag?) war: Es gab da bisher eine Lücke in der Region, die wir erstmal einmalig geschlossen haben. So zumindest könnte ein objektives Fazit lauten – es gibt da aber auch noch mein subjektives.

Julia und Nathan aus der Orga sind Barcamp-Erfahrene. Ich gehörte zu denen in der Truppe, die wissen wollten, was ein Barcamp ist, wie das funktioniert (hier fand ich Nachhilfe vom großartigen Jan Eggers) und dieses neue Dings ausprobieren wollten. Ich wollte wissen: Wer sind wir? Und wenn ja: Wieviele? Und die Themenpalette des Barcamps hat mich da ein großes Stück weiter gebracht. Mit gut einer Woche Abstand muss ich aber sagen: Letztendlich habe ich weniger von den Sessions und dem Netzwerken profitiert, als vielmehr von der Vorbereitung und vor allem von Jana, Valentin, Nathan, Dirk, Ingo und Julia. Warum? Das erklär ich hier ein wenig. Und ich erwähne auch, warum ich hier und da zu zweifeln begann.

Da trifft man sich mit einer Handvoll wildfremder Leute an einem Feiertag im November in einem Weststadt-Café – und fünfeinhalb Monate später steht eine (für meine provinziellen Verhältnisse) Großveranstaltung, die ziemlich durchorganisiert und sogar finanziert ist. Wie konnte es nur soweit kommen? Das lag sicherlich daran, dass jeder einzelne von uns (auch jeder, der partiell mitgeholfen hat und nicht die ganzen Monate dabei war) sein persönliches Können und Wissen in irgendeiner Art und Weise eingebracht hat. Doch die Stärken jedes einzelnen sind das eine – das andere ist: Diese Stärken zu nutzen, Schwächen aufzufangen und sich gegenseitig zu ergänzen.  Und gerade das habe ich bei diesem Projekt gelernt (und halte ich auch für übertragbar), weil es da so ein paar unausgesprochene Grundmaximen gab:

  • Transparenz: Durch die Art unserer Kommunikation (vor allem mithilfe von Trello) war es mir bis in die letzten Wochen immer möglich, auf dem neuesten Stand zu sein. Wir wussten, wer was erledigt oder eben noch nicht erledigt hat, wo es brennt und gegebenenfalls Unterstützung notwendig war. (Okay, am Schluss habe ich etwas den Überblick verloren – lag vielleicht eher an mir)
  • Egalität: Wir haben alle auf Augenhöhe zusammengearbeitet, keiner war gleicher. Dementsprechend gab es zwar hier und da einen Dirigenten (Danke Valentin, für Deine Geduld und Ausdauer) für einen Teilbereich. Aber niemand hat sich angemaßt, Arbeitsaufträge zu erteilen, zu delegieren oder sich gar den Hut aufzusetzen. Fast alle Entscheidungen wurden vom Kernteam gemeinsam (auch adhoc online) beschlossen.
  • Wertschätzung: Wenn wir in unserer Freizeit neben all dem anderen Kram (Hobbies, Freunde oder gar Familie) Zeit für diese Orga aufbringen, dann ist das ein Wert an sich – das habe ich immer in unserer Vorbereitungszeit so empfunden und von den Orga-Kollegen vermittelt bekommen. Und fiel mal jemand aus (ich zB wegen einem großen Ding bei der Arbeit), dann wurde das respektiert und ausgeholfen.
  • Spaß: Wir haben unser Anliegen, aber uns selbst nicht zu ernst genommen. Deshalb war es einfach, auch in schwierigen Situationen nicht in schlechte Laune zu verfallen.
  • Scheitern: Wir haben irgendwie immer einkalkuliert, dass wir auch auf die Nase fallen können. Dass es vielleicht doch nicht klappen könnte, ein Barcamp zustande zu bringen. Aber wir haben das Scheitern bewusst in Kauf genommen, frei nach dem Motto: Wenn wir es versuchen, dann haben wir uns nichts vorzuwerfen.

Mein Fazit

So ist mein Fazit denn auch ein großes DANKESCHÖN an Jana, Julia, Valentin, Dirk, Nathan und Ingo für diese fünfeinhalb Monate, in denen ich Teil dieser Orga sein durfte und so viel gelernt habe. Ich würde es wieder tun und kann jedem nur empfehlen, es auch auszuprobieren. Und sollte es nicht klappen, dann ist das kein Beinbruch, sondern man lernt trotzdem etwas.

 

Die Problemzone

Es gab (jetzt hoffentlich wirklich Vergangenheit) eine ganz gewaltige Problemzone: das Sponsoring. Ohne finanzielle Förderer gibt es kein Barcamp. Die für mich dann doch erschreckende Erkenntnis ist: Es wird zwar allerorten über Innovation geredet. Aber die meisten von uns angesprochenen Firmen der Privatwirtschaft waren nicht bereit, die innovative Idee eines Barcamps finanziell zu unterstützen, sich mit uns auf einen Blindflug einzulassen. Die einen wollten nicht, weil sie nichts unterstützen, was sie nicht kennen. Andere wiederum wollen nur Sport und Kunst featuren. Jetzt könnte es ja sein, dass wir nicht so richtig gut im Klinkenputzen waren. Oder dass wir mit unseren Wünschen angedackelt kamen, als die Etats 2015 schon verteilt waren (was auch zu hören war).

Aber warum waren dann andere Unternehmen (siehe hier) wiederum bereit, mit uns das Risiko eines Scheiterns einzugehen? Und auch kurzfristig finanzielle Ressourcen freizumachen? Am aufgeschlossensten waren diejenigen, denen man sonst immer Behäbigkeit unterstellt: staatliche bzw. halbstaatliche Institutionen. Und dass man direkt oder indirekt eher öffentliche Gelder als die Unterstützung aus der Privatwirtschaft bekommt, dass man bei den kommunalen und Landesstellen eher bereit ist, sich einmal auf etwas Neues, Nicht-Etabliertes einzulassen, das hat mich dann doch sehr positiv überrascht. Und ich bin froh, dass es doch Unternehmen gibt, die die Idee des Barcamp unterstützt haben.

 

Vielleicht…

wird es ja bei einer Nachfolgeveranstaltung einfacher werden, neue finanzielle Förderer zu gewinnen. Aber erst einmal tut es gut, die vielen positiven Rückmeldungen zu lesen. Und das Gefühl zu haben: Der Aufwand hat sich gelohnt.