Army räumt Wohnungen und keiner weiß es

Im vergangenen Oberbürgermeister-Wahlkampf hatte Eckart Würzner schon behauptet, dass er relativ schnell mit einer Rückgabe einzelner Wohnquartiere in der Stadt durch die US-Army rechnet. Die Garnison in Heidelberg sagt aber nur, dass sie ihren Wohnungsbestand „konsolidiert und optimiert“. Auch wenn von einer Rückgabe an die Bundesrepublik offiziell noch keine Rede ist: In der Stadtverwaltung bereitet man sich auf diesen „Tag X“ vor.

Entlang der Römerstraße in der Südstadt und in Rohrbach sieht man hinter dem Metallzaun etliche Häuser, die von Angehörigen der US-Streitkräfte bewohnt werden. Das Viertel zwischen der Straße „Am Rohrbach“ und Sickingenstraße macht aber zunehmend einen verwaisten Eindruck: In dem Areal ist abends nur noch in wenigen Wohnungen Licht zu sehen. Es handelt sich um acht Wohngebäude mit jeweils 32 Wohnungen.

Sicherheitsgründe sind es,warum diese acht Wohnblocks derzeit geräumt werden, so Thomas Hauss, Sprecher der US-Garnison, „weil sie zu nahe an der nächsten Straße liegen“. Voraussichtlich bis Sommer sollen die 256 Wohnungen alle leer stehen. Die Garnison nennt diesen Vorgang den Wohnungsbestand „optimieren und konsolidieren“, aber: „Es existieren keine Pläne, diesen Teil von Mark-Twain-Village an den Bund zurückzugeben.“ Langfristig sei zwar das Ziel, das Europa-Hauptquartier der US-Armee nach Wiesbaden zu verlegen. Es seien aber noch keine Entscheidungen gefallen, geschweige denn, dass man etwas von einem Zeitplan wüsste. So ist auch nicht klar, was aus den vielen Wohnungen in Rohrbach wird, deren Mieter jetzt oder demnächst in Patrick-Henry- oder Mark-Twain-Village wohnen. Über die weitere Verwendung seien noch keine Entscheidungen getroffen worden, „eine denkbare Möglichkeit wäre die Umwidmung in Bürogebäude“, sagt Hauss – für die Amerikaner.

Es ist das alte Problem: Die US-Army ist ein nicht unbedeutender Faktor für die Stadt – etwa in Hinsicht auf die Wirtschaft oder den Wohnungsmarkt – doch niemand weiß,was genau in den kommenden Monaten oder gar Jahren passieren wird. Theoretisch könnten die Streitkräfte morgen schon Teile ihrer Liegenschaften an die Bundesrepublik Deutschland zurückgeben. Der Bund hätte dann die Aufgabe, über die weitere Verwendung der Gebäude und Grundstücke zu entscheiden. „In der Regel ist es so, dass der Bund sehr hohe Preisvorstellungen hat“, sagt Erster Bürgermeister Raban von der Malsburg. Doch die Stadt will ein Wörtchen mitreden, wenn es soweit kommen sollte. „Wir bereiten gegenwärtig eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme vor“, so Malsburg – eine Quasi-Enteignung, bei der nach einem langwierigen Verfahren die Stadt vom Eigentümer die Liegenschaften zu einem festgesetzten Gutachterpreis kaufen darf. Dieser Eigentümer wäre der Bund, der sich dann intensiver mit Heidelbergs Interessen auseinandersetzen müsste, um eben der Enteignung zu entgehen. Seit neun Monaten arbeite sein Amt an der Vorbereitung des Verfahrens, so Malsburg, demnächst wolle man in die Gremien des Gemeinderats gehen. Ziel einer städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme seien alle von den US-Streitkräften genutzten Flächen und Gebäude, der „kritischste Teil ist aber die Südstadt und Rohrbach“, so der Erste Stellvertreter des Oberbürgermeisters. Das Staatliche Hochbauamt geht laut Malsburg davon aus, dass es in Mark-Twain-Village 708 Wohnungen für die US-Streitkräfte gibt, in Patrick-Henry-Village hinter der Autobahn sollen es 1764 sein. Der Gutachter im Aurelis-Verfahren um die Bahnstadt ging zudem davon aus, dass nochmals 2500 Wohnungen auf dem privaten
Markt der Region für Angehörige der US-Streitkräfte angemietet sind.

Für die gerade frei werdenden 256 Wohnungen melden Malsburg als auch der neue Oberbürgermeister Eckart
Würzner schon einmal Interesse der städtischen Gesellschaft für Grund- und Hausbesitz (GGH) an. „Diese Flächen wären ideal für die GGH“, so Würzner, er wolle aber nicht ausschließen, dass auch private Investoren zum Zuge kommen könnten. Um erst einmal den Planungsstand der Amerikaner zu erfahren, will er sich mit Vier-Sterne-General David McKiernan in Verbindung setzen. Das ist auch bitter notwendig, denn erst durch die Recherchen der RNZ erfuhr die Stadt, was gerade in Rohrbach passiert. Und weil keiner weiß, was die US-Streitkräfte in Heidelberg vorhaben, schießen die Spekulationen ins Kraut: So heißt es etwa, dass die Angehörigen von Soldaten, die im Irak-Einsatz sind, schon zurück in die USA ziehen würden. „Das ist unzutreffend“, so Armee-Sprecher Hauss, den „Familien von Soldatinnen oder Soldaten, die im Nahen Osten im Einsatz sind, [wird] nicht noch die zusätzliche Belastung eines Umzugs zugemutet“.