Applaus für die Hörner

Endlich zünftige Blasmusik aus Bayern: La Brass Banda aus dem Chiemgau treten den Beweis an, dass man mit Tuba, Trompete und Posaune eine ganze Halle rocken kann. Mit Bass und Schlagzeug im Rücken sorgten sie im ausverkauften Karlsruher Tollhaus für hüpfende, feiernde und vor allem glückliche Besuchermassen.

Was für Musik machen bayerische Herrschaften, die eine klassische Instrumentenausbildung genossen haben, Schweinsbraten und Weißbier nicht abgeneigt und in der Nachbarschaft des „Chiemsee Reggae Summer“ aufgewachsen sind? Die 1450 Konzertbesucher im Tollhaus wussten es nach fast drei Stunden auch nicht. Aber das ist egal, denn La Brass Banda machen Spaß. Mal wird Funk, mal Jazz, Rock oder Reggae und auch mal Techno mit der minimalistischen Bandbesetzung gespielt, fast jedes Lied der CDs „Habediehre“ und „Übersee“ ist in der Live-Version dreimal so schnell.

Bei dem Tempo fühlt man sich zeitweilig in Punk- und Deathcore-Zeiten zurückversetzt. Wären da nicht diese drei Bläser auf der Bühne, die einen musikalischen Genresprung nach dem anderen bravourös meistern. Trompeter Stefan „Sepp“ Dettl singt, rapt und sorgt für zackiges Tempo – und freundlicherweise übersetzt er auch hier und da seine bayerischen Texte. Er dirigiert seine Banda auch weg von den Mikros, gibt das Kommando zum Zug durch das Publikum. Zurück auf der Bühne sorgen Schlagzeuger Manuel da Coll und Bassist Oliver Wrage nicht nur für den ordentlichen Takt, sondern auch dafür, dass der Auftritt nicht
noch rasanter wird. Manuel Winbeck an der Posaune und vor allem Andreas Hofmeir an der Tuba entlocken ihrem Blech Töne, dass man keine Kapelle, geschweige denn Standardbesetzung mit Gitarren, Synthesizer oder anderen chipgesteuerten Musikinstrumenten benötigt.

Neben ihrem musikalischen Können entpuppen sich La Brass Banda aber auch als die optimalen Rampensäue für Live-Auftritte: Sofort nehmen sie das Publikum mit, nutzen es als vielstimmigen Backgroundchor und geben alles, damit die Besucher Freude haben: von Schweiß bis Slapstick. Schön, dass es solche Bayern gibt – schön, dass es solche Auftritte beim Karlsruher Zeltival des Tollhaus gibt. Dieses Ausnahme-Sommerspektakel, von dem sich so manches soziokulturelle Zentrum der Rhein-Neckar-Region ein
Scheibchen abschneiden könnte, hat seit Anfang Juli Künstler wie Shantel, 2Raumwohnung, Abdullah Ibrahim oder Nina Hagen präsentiert.

RNZ vom 6. August 2010