Am Karlsplatz macht die Stadt eine Ausnahme

Jahrzehntelang hatte der Karlsplatz in der Altstadt nur eine Funktion: Er war das Dach einer Tiefgarage. Das wird sich in diesem Sommer vielleicht ändern.

Die Stadt Heidelberg will – neben einem Café – drei weiteren Gaststätten dort Außenbewirtschaftung genehmigen. Doch wie solche Anliegen an anderen Plätzen im Zentrum der Stadt
geregelt werden sollen, das steht weiterhin in den Sternen. Oberbürgermeister Eckart Würzner und Baubürgermeister Bernd Stadel halten ihr „Platznutzungskonzept“ noch unter Verschluss.
Bislang darf nur das Café Gundel am westlichen Ende des Karlsplatzes auf rund 60 Quadratmetern die Kundschaft im  Freien bedienen. Baubürgermeister Bernd Stadel und ein Vertreter des Bürgeramtes gaben nun im Bezirksbeirat  Altstadt bekannt, dass drei weitere Gaststätten mit Sondergenehmigungen der Behörde rechnen können – zumindest für diese Saison. Die Traditionswirtschaften „Roter Ochse“ und „Zum Seppl“ sollen am Ostende des Karlsplatzes neben der Tiefgarageneinfahrt eine Außenbewirtschaftung genehmigt bekommen. Am westlichen Karlsplatz könnte zu Gundel noch das „Weisse Rössel“ (Cavallo Bianco) mit einer Genehmigung für Außenwirtschaftung rechnen, wenn sie dies wollten.
In den vergangenen Jahren wurden die Anträge auf Außenbewirtschaftung nicht bearbeitet, weil man immer auf ein „Platznutzungskonzept“ verwies, das erst noch beschlossen werden müsse. Seit 2004 war ein solches Konzept im Gespräch. Ein beschlossenes „Platznutzungskonzept“ gibt es aber noch nicht. Man gestatte jetzt eine einjährige Sondergenehmigung, da Ordnungsbürgermeister Wolfgang Erichson eine solche vergangenes Jahr in Aussicht gestellt habe, so Baubürgermeister Stadel. Zudem sei die Außenbewirtschaftung auf dem Karlsplatz „unumstritten“. Doch das „Platznutzungskonzept“, das OB Würzner vor fast zwei Jahren in Aussicht gestellt hatte, existiert nur als Entwurf, der zwischen den städtischen Ämtern kursiert.
Nach Angaben von Stadel und Volker Heß vom Bürgeramt war das Konzept des Stadtplanungsamtes Ende 2008 fertig. Doch weil es in der Abstimmung zwischen den Ämtern keine Einigung gab, wird der Gemeinderat für diese  Sommersaison kein „Platznutzungskonzept“ mehr beschließen können – geschweige denn, dass er es zu sehen bekommen hätte. OB Würzner ist auf Anfrage der RNZ nicht bereit, das vomStadtplanungsamt angefertigte „Platznutzungskonzept“ der Öffentlichkeit vorzustellen. Zuerst müsse der Gemeinderat das Papier gesehen haben.
Wann das der Fall sein wird, ist unklar. Baubürgermeister Stadel wollte keinen Zeitpunkt nennen, wann die  Volksvertreter informiert werden. Die Sondergenehmigungen für den Karlsplatz führten im Bezirksbeirat
zu weitergehenden Fragen. So wunderte sich CDU-Vertreter Adalbert van de Loo, warum nicht auch der Kornmarkt unter dem Dienstzimmer des OB bewirtschaftet werden könne. Da heißt es nur: Das werde bestimmt kontrovers diskutiert und da würde man ja einem„Platznutzungskonzept“ vorgreifen. Und warum das „Weisse Rössel“ in der Hauptstraße vom Bürgeramt zur Einheit „Karlsplatz“ zugerechnet wird, das konnte SPD-Rätin Uli Zierl auch niemand plausibel erklären.

RNZ vom 9. März 2009